EINE AUßERGEWÖHNLICHE BEZIEHUNG

Du tratst völlig unerwartet, wie aus dem Nichts, von einer Sekunde auf die andere in mein Leben. Ich ahnte nicht, dass diese so einfache, unbedeutende Bewegung, das leichte Tippen meines Fingers auf eine Funkmaus, solche Auswirkungen haben würde für mich und meine Gefühlswelt.

 

Du hast mich vom ersten Moment an, vor eine große Herausforderung gestellt, mich dazu getrieben in mich zu gehen, mir Gedanken über dich zu machen, mich mit dir auseinander zu setzen und mich ausschließlich mit dir zu befassen.

 

Es war nicht leicht für mich, dich so überraschend an meinem Leben teilhaben zu lassen und dir den größten Platz in meinem Inneren zu gewähren.

Ich war gewohnt alleine zu sein und dann kamst du, in voller Größe, so lebendig und munter, kaum zu bremsen, immer in Fahrt. Du warst stets vor mir und sahst mich erwartend und herausfordernd an.

Deine Ankunft kam so unverhofft, wie ein Liebesbrief, mit dem man nicht gerechnet hat, wie ein Überraschungsbesuch, der plötzlich vor der Tür stand, wie eine wilde Orchidee, die man unerwartet überreicht bekam.

Plötzlich gab es dich in meinem Leben und du warst nicht mehr weg zu denken, ohne dich hätte ich mich alleine, unbeachtet und verloren gefühlt.

 

Unser gemeinsamer Weg sollte nicht lange dauern, was wir nicht wussten, aber bedeutungslos war, da wir die Zeit, die uns zur Verfügung stand bis zur letzen Sekunde auskosteten, jeden einzelnen Augenblick genossen und uns vor allem intensiv gespürt haben.

 

Es gab Momente, in denen du mir starkes Kopfzerbrechen bereitet hast, ich nicht mehr weiter wusste, auf der Stelle trat und keinen Schritt vorwärts kam, da du so schwer zu durchschauen und verwirrend für mich warst.

Ich hatte keine Vorstellung davon, wie ich mich dir annähern könnte, was in dir stecken würde, was du wirklich brauchtest und wolltest.

Erst als ich dich länger kannte, mich genauer mit dir beschäftigte, fand ich heraus, wer du warst, was wichtig für dich war und wie ich mit dir umgehen konnte.

Wir fanden immer mehr zueinander, kamen uns näher und näher, lernten einander zu verstehen, wussten aufeinander einzugehen und was dafür nötig war sich zu ergänzen.

Du hast mich dazu gebracht, meiner Fantasie freien Lauf zu lassen, meine Gefühle auszudrücken, meine Gedanken fließen zu lassen, sie in Worte zu fassen, hin und her zu überlegen und mich geistig anzustrengen.

 

Wir hatten wirklich großen Spaß miteinander, ich konnte so oft über dich und mich lachen. Du hast es geschafft mich aufzuheitern, hast mir mein schönstes Lächeln entlockt, mich zum Schmunzeln gebracht und mich gelehrt, die ernsten Dinge des Lebens heiter zu betrachten.

Das alleine war unsere Begegnung wert, mehr als das, es war eine Bereicherung für mich.

 

Es waren so viele nette Begegnungen, die uns verbanden, als wir in der Hängematte zwischen den blühenden Apfelbäumen schaukelten, in dem bequemen Stuhl, mit den vielen weichen Polstern, auf meinem Balkon saßen, in der blühenden Frühlingswiese, im Schatten der Trauerweide lagen oder den wunderschönen, sonnigen Nachmittag an meinem Lieblingsplatz in dem kleinen Waldstück verbrachten. Es gab so viele Plätze, die wir teilten, miteinander aufsuchten, gemeinsam auf uns wirken ließen und uns Energie spendeten, weiter an uns zu glauben. Es tat so gut, genau mit dir dort zu sein.

 

Die Zeit, die ich mit dir zusammen war, war so aufregend und ereignisreich für mich. Du alleine hast es fertig gebracht, mich aus der Reserve zu locken und mich zu öffnen, mir meiner Kreativität bewusst zu werden und mich, mich selbst sein lassen.

 

Leider trennten sich unsere Wege nach ein paar Tagen wieder, so schnell wie du in meinem Leben aufgetaucht warst, warst du auch schon wieder verschwunden.

Ich habe dich eigenhändig weggeschickt, mit einer einfachen, unbedeutenden Bewegung meiner Finger, habe ich dich auf deine Reise gesandt.

 

Du bist jetzt, genau in diesem Augenblick, auf dem Weg zu Menschen, die dich von nun an kritisch ansehen und sich eine eigene Meinung von dir bilden werden.

Ich fühle mich etwas alleine ohne dich, bin allerdings sehr dankbar und glücklich, dich für die Zeit bei mir gehabt zu haben, die nötig war, dich zu entdecken, zu suchen und zu finden, du meine kleine eben fertig geschriebene Geschichte!

 

Inge Hauser

 

 

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